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Am frühen Samstagmorgen begrüsse ich die neun Familien zum 14-tägigen Abenteuer Familieneinsatzcamp. Dass sich der Missionsleiter selber ans Steuer des Reisecars setzt, überrascht einige der Teilnehmer. Die Aufmerksamkeit der Fahrgäste steigt je östlicher wir auf unserer Fahrt kommen. In Ungarn faszinieren die blühenden Sonnenblumenfelder. In Rumänien sind es schleichende Fuhrwerke, vielsagende Hinterhöfe, kommunistische Bauten, stolze Störche, Heinzen (Heureiter) auf den Feldern, einmalige Holzkirchen und sogar mit Pfannen geschmückte Bäume.
Bei der Vorstellungsrunde am Abend staune ich, wie Gott unsere Gruppe zusammengeführt hat und bin gespannt, ob ich allen Erwartungen wohl gerecht werden kann. Die Kinder und Teenies haben sich schon auf der Fahrt befreundet und gruppiert. Die Eltern geniessen müde und glücklich die herzliche Gastfreundschaft im Heim.
Dienen ohne zu verdienen
Jeden Tag bieten wir unserer bunt gemischten Gruppe verschiedene Arbeitsbereiche an: Haussanierung bei einer armen elfköpfigen Familie, Armenbesuche, Heuen, Arbeiten im und ums Haus. Beim feinen Nachtessen wird vom Erlebten berichtet und ausgetauscht.
An den nächsten Tagen gibt es weitere neue Workshops, wie zum Beispiel: Sickerleitung graben, Spielplatz sanieren, Tornetze flicken, Holz verräumen, Velos flicken und vieles mehr.
Am Freitag führen wir im Park von Viseu einen evangelistischen Kindernachmittag durch. Die zwei Schweizer-Clowns animieren die herumstrolchenden Kinder daran teilzunehmen. Beim Start können die über 50 Kinder aus verschiedenen Posten auswählen: Kinderschminken, Büchsenwerfen, Seilziehen, Sackhüpfen und Armbändeli knüpfen. Die Pantomime und eine Kurzbotschaft bringen dann unsere tiefsten Beweggründe dieser Aktivität auf den Punkt.
Unbezahlbare Gemeinschaft
Beim Zeugnisabend sagt ein Vater sehr ehrlich: «Ich wollte eigentlich nicht in ein Einsatzcamp, denn ich arbeite jeden Tag hart. Ich fügte mich dem Willen der Familie. Rückblickend sage ich euch, warum ich sehr dankbar und fröhlich nach Hause gehe. Ihr seid der Grund dafür. Die einmalige Gemeinschaft hat meine negativen Gedanken umgestimmt. Da schuften ein Produktmanager und ein Geschäftsleiter mit mir bei 35° C. an der Sickerleitung und wir haben gute Gespräche miteinander.»
Für die Heimkinder ist die Gemeinschaft mit den Schweizern ein Höhepunkt.
Sie geniessen es, nach dem Frühstück zusammen Gott zu loben und auf sein Wort zu hören. Jede Familie hat im Vorfeld eine Andacht vorbereitet. Nach dem Nachtessen sind Spiel und Sport angesagt: Volleyball oder Fussball– Eltern gegen Kinder oder Rumänen gegen Schweizer.
Freizeit und Entspannung
Zwei Tagesausflüge unternehmen wir in diesen Tagen: Mit der Dampflokomotive bestaunen wir das Wassertal mit seiner Schönheit, aber auch mit seiner Armut. Und am Sonntag erleben wir einen zweieinhalbstündigen herzbewegenden rumänischen Gottesdienst. Danach besuchen wir das Memorial Sighet (eine Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus). Nach getaner Arbeit geniessen wir vier Tage in einem einfachen Hotel an einem wunderschönen Bergsee.
Diese zwei Wochen werden Spuren hinterlassen. Spuren in unseren Herzen, in den Familien, in der Umgebung. Die Teenies und Kinder fragen mich auf der Heimreise – obwohl man mit dem Fahrer nicht sprechen darf – immer wieder: «Gibt es im nächsten Jahr auch wieder ein Familieneinsatzcamp?»
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