Yaroslav Mysiak – Videobotschaft mit Übersetzung

Yaroslav Mysiak verbüsst seit 29 Jahren eine rechtswidrige Haftstrafe in Transkarpatien. In seiner Videobotschaft berichtet er von den laufenden Gerichtsverfahren, den wiederholten Verzögerungen durch die Staatsanwaltschaft und seiner Hoffnung auf Gerechtigkeit. Dabei dankt er Unterstützern, die sich für seine Freilassung einsetzen, und betont seinen Glauben an ein faires Urteil.
Licht im Osten ist ein christliches Missions- und Hilfswerk und keine politische Organisation. Der folgende Beitrag gibt die persönliche Darstellung von Yaroslav Mysiak wieder.
Mein Name ist Jaroslav Mysyak, jetzt seit 29 Jahren verbüsse ich meine Strafe in einer Strafvollzugsanstalt in Transkarpatien. Diese Strafe ist rechtswidrig. Seit elf Jahren wird dieses Urteil aufgrund neuer Umstände überprüft. Gleichzeitig finden weitere Gerichtsverfahren statt: eines bezüglich meiner bedingten vorzeitigen Entlassung und ein weiteres bezüglich meines Antrags auf Umwandlung der Strafe in 20 Jahre gemäss Artikel 25 des Strafgesetzbuches von 1961, da ich genau nachdiesem Gesetzbuch verurteilt wurde.
Am 18. September 1999 wurde ich vom Regionalgericht Transkarpatien zum Höchststrafmass verurteilt – der Todesstrafe. Am 22. Juni 2000 wurde dieses Urteil in lebenslange Freiheitsstrafe umgewandelt. Ich wurde wegen Mordes an drei Menschen verurteilt– meinem Grossvater, meiner Grossmutter und meinem Onkel Andriy. Dem Gericht wurden alle möglichen Beweise vorgelegt, die meine Unschuld bestätigen: ein Gutachten, das die Fälschung von Beweismitteln in diesem Strafverfahren belegt (Unterschriften, Unstimmigkeiten zwischen den Wundkanälen und der Waffe, die als Tatwaffe präsentiert wurde), sowie viele weitere Gutachten, die belegen, dass die früheren Gutachten gefälscht waren. Ich habe ein Alibi, das von meiner Frau und einer weiteren Person, die damals bei uns wohnte, bestätigt wird. Das Alibi beweist, dass ich zum Zeitpunkt der Tat zu Hause war. Zunächst wurde mein Fall vom Bezirksgericht Transkarpatien verhandelt. Es handelt sich tatsächlich umdasselbe Berufungsgericht. Nach der Urteilsverkündung haben mein Anwalt und ich beim Obersten Gerichtshof der Ukraine Berufung eingelegt. Infolgedessen wurde ein Artikel aufgehoben, der andere Artikel blieb jedoch unverändert, d. h.insgesamt blieb das Urteil unverändert.
Heute, am 25. Februar, sollten drei Gerichtsverhandlungen zu verschiedenen Verfahren stattfinden. Bezüglichmeiner vorzeitigen Entlassung fand heute die fünfte Verhandlung statt. Zu jeder dieser Sitzungen kommen neue Vertreter der Staatsanwaltschaft, die erklären, dass sie mit den Akten nicht vertraut sind und um zusätzliche Zeit bitten. Das ist gesetzlich vorgesehen, aber in der Praxis kommt es vor, dass der Staatsanwalt zur Sitzung erscheint, dann verschwindet und nicht mehr gesehen wird. Ich denke, dass für Vertreter der Staatsanwaltschaft Falschheit und Lügen von Vorteil sind, wenn die Wahrheit für sie gefährlich ist. Daher wird Falschheit zur Grundlage ihrer Anklage vor Gericht, und es ist für sievorteilhaft, nichts zu unternehmen. Wie bereits erwähnt, fällen diese Vertreter Entscheidungen, die die Fakten der Fälschung von Materialien der Strafsache,die die Grundlage meiner Anklage bildeten, ignorieren. Dies ist eine Art Mittäterschaft – solche Entscheidungen sind moralisch wertlos und rechtlich sinnlos,da sich die Staatsanwaltschaft nicht vom Grundsatz der Rechtsstaatlichkeitleiten lässt, sondern von staatsanwaltlicher oder politischer Zweckmässigkeit.
Zur Klarstellung: Am 24. Februar 2022 sollte eine Gerichtsverhandlung vor dem Bezirksgericht Mukatschewo stattfinden, wo mein Fall aufgrund neuer Umstände mehrere Jahre lang geprüftwurde. Das Gericht sollte endgültig über die Anordnung einer neuen umfassendengerichtlichen Begutachtung entscheiden, nach deren Ergebnis ich entweder freigesprochen worden wäre oder alles beim Alten geblieben wäre. Aber dann begann der Krieg, und die Gerichtsverhandlung fand nicht statt. Der Oberste Justizrat, der diesen Prozess beaufsichtigte, wurde aufgelöst, und unser Antragwurde nicht erfüllt.
Heute fand eine Sitzung nicht statt, da mir bereits zum fünften Mal ein neuer Vertreter der Staatsanwaltschaft zugewiesen wurde, der erscheint und erklärt, dass er mit den Akten nicht vertraut ist und um zusätzliche Zeit bittet. Die beiden anderen Hauptverfahren fanden nicht statt, da das Gericht erklärte, dass es heute keine Zeit für die Verhandlung dieser Fälle habe, und darum bat, sie auf den 6. und 20. Mai dieses Jahres zu verschieben.
Ich hoffe, dass es besser wird. Ich glaube daran, dass in diesem Land doch noch die Justizreform stattfinden wird, über die wir alle sprechen und auf die Zehntausende Menschen sehnsüchtigwarten. Ein unabhängiges Gericht ist nur dann unabhängig, wenn die Richter den Mut finden, sich selbst zu widersprechen, um für das Recht und die Grundgesetzeder Ukraine einzutreten. Der Staat hat den Richtern Befugnisse übertragen, sie aber nicht über das Gesetz gestellt – sie sind nicht das Gesetz selbst, sondern nur dessen Vollstrecker. Wenn sie gegen das Gesetz verstossen, sind sie genauso Kriminelle, nur, dass sie eine Robe oder Uniform tragen. Ihre Kleidung oder ihr Amt macht diese Leute nicht immun gegen strafrechtliche Verantwortlichkeit. Ich hoffe, dass die Richter den Mut finden, in diesem Fall rechtmässige Entscheidungen zu treffen.
Ich schätze die Unterstützung aller Menschen und Organisationen, insbesondere danke ich den Vertretern von Licht im Osten, der Menschenrechtsgruppe von Charkiw, Vertretern anderer religiöser Organisationen,insbesondere dem Rat der Kirchen der Ukraine, die den Antrag auf Begnadigungdurch den Präsidenten der Ukraine unterstützt haben.
Ich danke auch allen anderen Menschen, denen mein Schicksal nicht gleichgültig ist und die durch Gebete oder auf andere Weise versuchen, mir in dieser Situation zu helfen. Ich weiss, dass diese Bemühungen nicht ohne Ergebnis bleiben werden. Ich glaube, dass Gott uns in diesem Gerichtsverfahren den Sieg schenken wird!


