Unschuldig im Gefängnis – Chronologie von Yaroslav Mysiak

12.8.2026
Yarslav Mysiak steht vor Gericht in einer Glaskabine für Angeklagte

Ein erschütternder Kampf um Gerechtigkeit

Seit März 1998 Jahren sitzt der Ukrainer Yaroslav unschuldig im Gefängnis. 1999 wurde er wegen des Mordes an seinen Grosseltern und seinem Onkel verurteilt. Es ist ein Urteil, das auf zweifelhaften und teilweise manipulierten Akten basiert. Mehrere unabhängige Expertisen belegen heute seine Unschuld. Doch trotz eindeutiger Hinweise auf massive Verfahrensfehler wird seine Freilassung seit Jahren durch immer neue Verzögerungen blockiert.

Seit vielen Jahren begleitet Licht im Osten Yaroslav. Gemeinsam beten wir für ihn, seine Familie und für ein gerechtes Verfahren. Die folgende Zusammenfassung zeigt, wie zäh und schwierig der Kampf um Gerechtigkeit ist.

Ein Verfahren, das nicht vorankommt

Seit 2020 wurden Dutzende von Gerichtsterminen angesetzt – und beinahe alle kurzfristig abgesagt, verschoben oder gar nicht eröffnet. Gründe dafür waren:

  • Krankmeldungen von Richtern und Anwälten
  • Abwesenheit von Staatsanwälten
  • fehlende Gefängniswärter, die ihn begleiten sollten
  • Nichterscheinen des damaligen Gerichtsmediziners
  • Corona-bedingte Einschränkungen
  • Verwaltungs- und Zuständigkeitschaos in der ukrainischen Justiz
  • neue Staatsanwälte, die erst in den Fall eingearbeitet werden mussten

Immer wieder wurde Yaroslav enttäuscht, oft erst dann, wenn er bereits auf die Verhandlung am Tag selbst wartete.

Wesentliche Entwicklungen der letzten Jahre

2020–2021: Erste Hoffnungen und ständige Rückschläge

Im Mai 2020 erhalten unsere Partner erstmals die originalen Akten, die deutliche Unterschiede zu den zuvor verwendeten Dokumenten aufweisen, ein Beweis für frühere Fälschungen. Zwei unabhängige Expertisen bestätigen später klar Yaroslavs Unschuld.

Doch trotz mehrfach angesetzter «entscheidender Sitzungen» kommt es kaum zu Fortschritten. Immer wieder fällt ein Richter aus, ein Staatsanwalt fehlt, oder der frühere Gerichtsmediziner erscheint nicht.

2021–2022: Neue Expertisen und politische Hindernisse

Im November 2021 stimmt das Gericht einer zusätzlichen Expertise zu – ein kleiner Sieg. Doch auch 2022 werden weitere Termine verschoben. Gleichzeitig destabilisiert der Krieg die gesamte Justiz in der Ukraine.

2023–2024: Bewährungsanträge als letzter Ausweg

Da die Überprüfung des Urteils kaum vorankommt, stellt Yaroslav zusätzlich Anträge auf Bewährung sowie auf Umwandlung seiner lebenslangen Strafe in 25 Jahre Haft. Da er diese Zeit bereits verbüsst hat, könnte er so freikommen. Doch auch diese Verhandlungen scheitern wiederholt an terminlichen Verzögerungen.

2024–2025: Neue Hoffnung  und erneut Enttäuschungen

Mehrere geplante Termine im Jahr 2024 und 2025 werden wieder verschoben. Der neue Berufungstermin vom November 2025, eigentlich eine grosse Chance, fällt erneut aus. Ein weiterer Termin ist nun für den 25. Februar 2026 geplant.

Bis heute wurde Yaroslavs Berufung nicht einmal inhaltlich geprüft.

2026: Erneute Verzögerungen – doch Yaroslav gibt die Hoffnung nicht auf

Auch das Jahr 2026 ist von weiteren Verzögerungen geprägt. Mehrere angesetzte Gerichtsverhandlungen finden nicht statt oder werden kurzfristig verschoben. Damit wurde Yaroslavs Fall auch in diesem Jahr bislang nicht inhaltlich entschieden.

Am 25. Februar 2026 waren am Berufungsgericht drei wichtige Anhörungen angesetzt. Um 10:00 Uhr sollte über Yaroslavs Antrag auf bedingte vorzeitige Entlassung verhandelt werden. Zwei weitere Sitzungen am Nachmittag betrafen die Überprüfung seines Urteils aufgrund neu bekannt gewordener Umstände. Das Verfahren zur Überprüfung des Urteils zieht sich inzwischen seit vielen Jahren hin.

Doch erneut kam es zu keiner inhaltlichen Behandlung. Die morgendliche Anhörung wurde verschoben, weil sich der zuständige Staatsanwalt – bereits der fünfte in diesem Verfahren – nach eigener Aussage noch nicht ausreichend mit den Akten vertraut gemacht hatte. Die beiden weiteren Anhörungen am Nachmittag fanden ebenfalls nicht statt.

Auch die für Mai angesetzten Termine brachten keine Entscheidung. Am 20. Mai konnte die geplante Verhandlung erneut nicht stattfinden, weil zwei der zuständigen Richter abwesend waren.

Im August standen erneut drei wichtige Gerichtsverhandlungen an. Dabei ging es um drei unterschiedliche rechtliche Möglichkeiten, die für Yaroslavs Freilassung beziehungsweise eine Korrektur seiner Strafe von grosser Bedeutung sind:

  • Bedingte vorzeitige Entlassung: Über diesen Antrag wird bereits seit 2020 verhandelt.
  • Überprüfung des Urteils aufgrund neu bekannt gewordener Umstände: Dieses Verfahren läuft bereits seit 2014. Die Verteidigung stützt sich dabei unter anderem auf neue Gutachten und weitere Beweise, die aus ihrer Sicht die ursprüngliche Verurteilung infrage stellen.
  • Ersetzung der lebenslangen Freiheitsstrafe durch eine zeitlich begrenzte Strafe: Dieses Verfahren läuft seit 2024. Yaroslav beruft sich dabei auf die zum Zeitpunkt seiner Verurteilung geltenden gesetzlichen Bestimmungen.

Doch auch am 19. August 2026 fanden die geplanten Verhandlungen nicht statt. Damit blieb Yaroslavs Fall erneut ohne inhaltliche Entscheidung.

Wie geht es weiter?

Die drei Verfahren sollen nun im Herbst 2026 weitergeführt werden. Der nächste Termin ist für den 7. Oktober 2026 angesetzt. Auch diesmal musste die Verhandlung wegen der Abwesenheit einer Richterin verschoben werden. Damit bleibt Yaroslavs Fall weiterhin ohne inhaltliche Entscheidung. Trotzdem gibt Yaroslav die Hoffnung nicht auf. Er dankt allen, die ihn unterstützen und für ihn beten, und hofft weiterhin darauf, dass sein Fall endlich fair geprüft wird und er seine Freiheit zurückerhält.

Wie du helfen kannst

Wir laden alle ein, weiterhin für Yaroslav und seine Familie zu beten:

  • Für seine Freilassung und Gerechtigkeit
  • Für Weisheit, Mut und Integrität der Richter
  • Für Schutz und Trost in der langen Zeit der Hoffnungslosigkeit
  • Für Kraft für seine Frau und Angehörigen

In unserem Gebets-SMS berichten wir über Yaroslav und geben auch weitere aktuelle Informationen über Licht im Osten. Schreibe uns eine Mail mit deiner Handynummer und wir halten dich auf dem Laufenden.

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