Hilfsgütertransport Ukraine – Reisebericht Mario & Felix

21.1.2026
Stromausfall in der Ukraine: LKW-Chauffeur geniesst Frühstück bei Kerzenschein

Vom 17. bis 20. Januar 2026 fuhren wir im Auftrag von Licht im Osten einen Hilfsgütertransport in die Ukraine. Die Reise führte uns über mehr als 2700 Kilometer durch die Schweiz, Deutschland, Österreich, Ungarn und bis nach Mukatschewo in der Ukraine – geprägt von guter Gemeinschaft, reibungslosen Grenzübertritten und grosser Dankbarkeit für Bewahrung und Hilfe unterwegs.

17. Januar 2026 – Start in Kreuzlingen

Die Ladung war bereits durch Albert Kutter, langjähriger ehrenamtlicher Mitarbeiter von LIO, verzollt worden. Der LKW stand auf dem Zollparkplatz in Kreuzlingen. Gegen 14:00 Uhr machten wir uns auf den Weg, nachdem uns jemand von Frauenfeld nach Kreuzlingen gefahren hatte. Mit der Fähre Konstanz-Meersburg, deren Überfahrt von den Stadtwerken Konstanz übernommen wurde, ging es über den Bodensee. Der Kondukteur kannte die Bescheinigung zwar nicht, meinte aber schmunzelnd: «Kenne ich nicht, ist aber sicher gut.»

Ladehelfer in Frauenfeld | Bodenseeüberquerung

In Kressbronn tankten wir 250 Liter Diesel, um möglichst bis Ungarn zu kommen – dort ist der Diesel deutlich günstigerals in der Schweiz oder Deutschland. Bei schönem Wetter und schneefreien Strassen verlief die Fahrt entspannt über Memmingen, München, Deggendorf und Passau. Die Grenze Deutschland/Österreich passierten wir ohne Kontrolle. Über Linz erreichten wir den Truckstopp in St. Pölten. Der Parkplatz war voll, wir parkten auf dem Car-Parkplatz. Zum Znacht gab es Leberkäse aus dem Tankstellenshop – das Restaurant war bereits geschlossen. Rund 720 km hatten wir an diesem Tag zurückgelegt. Dank bequemen Betten und Standheizung war die Nacht erholsam.

18. Januar 2026 – Durch Österreich und Ungarn bis in die Ukraine

Nach Kaffee und Gipfeli ging es um 07:30 Uhr weiter durch den Wienerwald, wo einst Sisi herumstreifte, vorbei an Wien und dem grossen Windpark in Niederösterreich. Kurz nach der Grenze zu Ungarn passierten wir eine automatische Gewichtskontrolle – ohne Beanstandung: 31.1 Tonnen Gesamtgewicht, davon sind 16 Tonnen Hilfsgüter. Über Györ und Tatabanya fuhren wir Richtung Budapest. Trotz langer Baustelle (Autobahnausbau auf sechs Spuren) kamen wir am Sonntag ohne Stau durch. Nach der Umfahrung von Budapest tankten wir und machten Fahrerwechsel. Bei Nyiregyhaza verliessen wir die Autobahn Richtung ukrainische Grenze. Die ungarische Zollabfertigung in Zahony verlief ruhig. Für die Kontrolle der Fracht musste die Seitenblache geöffnet werden. Der Zöllner machte ein paar Fotos, war dann mit Stirnrunzeln dann doch zufrieden. Nach rund 30 Minuten durften wir weiterfahren.

St. Pölten | Einfahrt Zoll Ungarn | Ausfahrt Zoll Ungarn

Auf der Brücke über die gefrorene Theiss erhielten wir den Laufzettel für die Zollabfertigung in der Ukraine. Bei der Einfuhre begegneten wir sehr freundlichen Beamten – gründlich, aber herzlich. Mit einem Händedruck und grossem Dank wurden wir verabschiedet. Bei Sonnenuntergang fuhren wir via Uschhorod nach Mukatschewo, wo wir gegen 18:30 Uhr (ukrainische Zeit) ankamen. Im Kreisel trafen wir wie geplant Stefan Kozodoi, lokaler Partner von LIO für die Hilfsgüterverteilung. Seit dem Februar 2022 fahren die ehrenamtlichen Chauffeure von LIO bis nach Mukatschewo. Da der Parkplatz verschneit war, sattelten Stefan und wir direkt auf der Strasse um. In der Ukraine ist das kein Problem.

Umsatteln der Auflieger | Stefan ist abfahrbereit

Stefan übernahm den vollen Auflieger mit Hilfsgütern, wir sattelten den zweiten, leeren LIO Auflieger für die Rückfahrt auf. Gemeinsam mit Stefan und Yaroslav Kohutytsch vom Sozialzentrum «Dom Leben» assen wir zu Abend, erledigten den Papierkram und genossen trotz sprachlicher Hürden ein feines Essen in guter Gesellschaft. Stefan brach anschliessend mit den Hilfsgütern Richtung Charkiw auf, über 1200 km weiter östlich. Wir übernachteten in dem Sozialzentrum, das auch eine Kirchgemeinde ist, wo uns ein Mitarbeiter namens Alex herzlich empfing. Die Betten waren bezogen, es war warm – jedoch mit der Warnung, dass Stromausfälle jederzeit möglich seien.

19. Januar 2026 – Rückreise beginnt

Kurz vor 7 Uhr wachten wir tatsächlich ohne Strom und fliessend Wasser auf. Mit gespartem Wasser in PET-Flaschen war immerhin eine Katzenwäsche möglich. Bei Kerzenlicht genossen wir ein leckeres Frühstück, das Larissa zubereitet hatte: Tee, Spiegeleier, Brot und Wurst.

Bei –10.5 °C fuhren wir los und tankten an einer UKRNAFTA-Tankstelle 660 Liter Diesel (ca. 1.10 CHF/L). Auch Kaffee wurde uns erfolgreich verkauft – der Versuch der Verkäuferin, auch noch Hot-Dogs loszuwerden scheiterte. Vor der Grenze warteten wir mehrere Stunden auf die Ausreisebewilligung, die Martin Kurz mit Unterstützung der ukrainischen Botschaft in Bern organisierte. Nach 4.5 Stunden erhielten wir grünes Licht: ein Geschenk des Himmels, da die durchschnittliche Wartezeit aktuell bei rund 37 Stunden liegt. Die Ausreise verlief erstaunlich schnell. Auch auf ungarischer Seite ging alles reibungslos, inklusive Röntgenscan des gesamten LKW. Danach hatten wir freie Fahrt Richtung Westen.

Zoll Ukraine

Spät abends erreichten wir erneut St. Pölten. Das Restaurant war wieder geschlossen – wiederum Leberkäse zum Znacht, und dann dank Standheizung ins warme Bett.

Nach Kaffee und Gipfeli starteten wir in einen traumhaften Wintertag. Wir fuhren am UNESCO-Weltkulturerbe Stift Melk vorbei, via Wels Richtung Passau und bei Suben zurück nach Deutschland. Auch der bekannte Kontrollpunkt auf der Autobahn verursachte diesmal keinen Stau. Der Checkpoint auf der Autobahn wurde vor 10 Jahren während der Flüchtlingswelle eingerichtet. Normalerweise staut sich der Verkehr daher massiv. Wir passierten die Kontrollstelle problemlos. Über Deggendorf und München ging es Richtung Allgäu. Bei Wangen überqueren wir die Europäische Wasserscheide und tauchten in den Nebel ein. Durch den Pfändertunnel erreichten wir Dornbirn und rahren bei Lustenau über den Rhein – zurück in der Schweiz. Leere LKW passieren in Westeuropa die Grenze ohne Kontrolle in Eigenverantwortung, ganz im Zeichen der Vertrauenskultur.

Bei Thurtrans in Istighofen konnten wir den LKW gründlich waschen. Das Transportunternehmen ist LIO sehr freundlich gestimmt. Anschliessend tankten wir AdBlue, im Tank haben knapp 50 Liter Platz, und stellten den Auflieger in Frauenfeld an die Rampe – bereit für den nächsten Hilfsgütertransport. Nach Reinigung des Schleppers, Lampenkontrolle, kleinen Reparaturen und der gesamten Administration war Feierabend.

vor dem Waschen | nachher | LKW steht wieder an der Laderampe

Dankbar für Gottes Schutz und Hilfe auf dieser Fahrt machten wir uns mit dem PW auf den Heimweg. Die Gemeinschaft unterwegs, die vielen Begegnungen und Erfahrungen sind eine grosse Bereicherung.

Einmal mehr gilt:
Nach der Fahrt ist vor der Fahrt.
Wir freuen uns auf die nächste Tour.

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